Donnerstag, 25. September 2008

gedankenlabyrinth am ende eines frühherbsttages I.

Zu müde, um die beiden Feigen abzuwaschen, die ich noch schnell im kleinen Obst- und Gemüseladen im vorderen Teil meiner Straße zum Abendbrot gekauft hatte. Diese Straße, die inzwischen so viele Cafés beherbergt, in diesen herbstlich duftenden Abendstunden ist sie in rotes und orangenes Licht getaucht aber, nicht von der Sonne, die hat sich schon vor 2 Stunden verabschiedet. Auf den Tischen flackern Kerzen in gelben und roten Papiertüten. Sie lassen die um sie sitzenden erwartungsfroh und jung aussehen. Die Caféleuchtreklamen imitieren die Tapetenmuster der 70er Jahre und auf den noch leeren Stühlen liegen einladend warme Decken. Eigentlich hätte ich Lust gehabt, hier in meiner Straße verabredet zu sein, eine heiße Schokolade zu schlürfen und mich an den leuchtenden Gesichtern zu wärmen. Aber mit wem ich mich auch getroffen hätte, ich wäre wohl zu müde gewesen um zu reden. Zuhause angekommen habe ich den kleinen Violinenbogen versucht zu leimen. Ein beinahe Totalschaden – an der Spitze angebrochen – einmal kräftig den Bogen spannen und er bricht endgültig durch. Mein Kollege schenkte ihn mir mit den Worten: „Brauchst du noch eine Bohnenstange?“ Eine Verleimung an dieser Stelle würde den Belastungen unter Spannung nicht mehr standhalten. Wahrscheinlich sieht er nach der Operation wieder ganz manierlich aus, aber ein „fortissimo“ wird er nicht mehr hervorrufen können. Muss er auch nicht, schließlich ist er bei mir gelandet und bei seinesgleichen, einem Artgenossen, noch ein bisschen kleiner als er und einem wunderschönen Korpus einer halben Violine, welcher der ganze Hals abgebrochen war, ein unschöner zersplitterter Stumpf, den ich ihr eines Winterabends glatt gehobelt und geschliffen habe. Ein unbeschreiblich faszinierendes Holzkörperchen, in dessen Poren und Ahornriegeln sich das Licht so schön bricht. Manchmal, wenn ich Besuch bekomme von Freunden und sich jemand über die kleine Hobelbank in meiner Küche wundert, auf der ich die Instrumententeile aufzubewahren pflege, lege ich ihnen das kleine holzglänzende Ding in beide Hände und höre sie sagen: „Oh… wie leicht.“ Ganz verstehen sie nicht, was es ist, das diese Faszination auslöst. Aber das macht nichts. Ich kann mich erinnern, bevor ich meinen ersten Geigenunterricht hatte, lag mein Instrument zwei Wochen auf unserem Wohnzimmertisch und ich habe es jeden Abend angestaunt und ganz vorsichtig berührt, meine Mutter hat mich gelehrt immer ganz vorsichtig zu sein.

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