auf, die ohren

Donnerstag, 10. Mai 2012

aufregung

filmpremiere im babylon, es geht um alles, es geht um die menschen, es geht um die bewegungsfreiheit von flüchtlingen, es geht um die freundschaften und es geht mit musik

Dienstag, 18. Januar 2011

"im garten mit satie" grüßt "giardini di mirò"

da war nun diese wundervolle italienische band in berlin, einen tag nachdem ich ihre musik durch zufall kennengelernt hatte. während ich am abend des anderen tages ihre neu ergatterte cd hörte, wußte ich noch nicht, dass sie zeitgleich im nachbarbezirk ein konzert gaben.

der sensible barmann hatte sie vor der lesung abgespielt zu der jemand auf der geige und dem xylofon eine musik dazu geben wollte und während die musik von giardini di mirò aus den lautsprechern sprach, antworteten zum test leise gezupfte töne, die sich effektvoll im echo eines effektgerätes verloren und von den anwesenden klängen fortgespült wurden, um die geige auf das kommende einzustimmen. welch überraschende synthese! nachher im gespräch zeigte sich der sympathische mann hinter der theke davon berührt, dass nicht, wie sonst üblich vor veranstaltungen, danach gerufen wurde, die musik auszuschalten, sondern sie einfach da gelassen wurde um sich verspielt mit ihr zu vereinen...

die lesung war wunderbar, das kleine café viel voller als beim letzten mal, auf sofas rekelten sich fremde und freunde, eine alte stehlampe verströmte lesesellellicht und auf einem hölzernen nähmaschinentisch war ein kleines klanglaboratorium aufgebaut, oft blieben straßenpassantinnen draußen vor dem glastürfenster stehen und ließen sich von der optik hypnotisieren, die ganz ohne rauchschwaden auskam. die lesereise ging nach frankreich und russland und gab einblick ins anarchistische milieu der zwanziger jahre, sie handelte vom gedächtnis der besiegten.

nun lese ich ein anderes buch, jenes, von dem später der zurückhaltende junge mann hinterm tresen mit großen augen so unsagbar leise und aufgewühlt zu uns gesprochen hatte als alle gäste schon gegangen waren. dabei höre ich seine musik von giardini di mirò, von der er nicht ahnte, dass sie wirklich aus italien kommt.

Donnerstag, 6. Januar 2011

unter uns:

ick sach euch, wat meen quasi neuet streichquartett is und jerade zweieinhalb wochen pausiert hat wejen die weihnachtsfeierei, also besachtet streichquartett hat mich heute inn himmel jeführt. ehrlisch wahr. wir haben anjehoben zu spielen nach langtäjige abstinenz und it war wie in die arme von allen jeliebten jleichzeitig szu vasinken. ehrlisch! ick hab nur so die oojen szujemacht und dann ham wa n bissl bach improvisiert, bekannte melodien vasteht sich, nüscht schweret, aber it war eenfach herrlisch, ehrlisch. ick wollte jar nich mehr szurück und eens sach ick euch: solange ick so in meen bach vasinken kann mit hilfe von die mädels vom quartett, oder in die mädels mit hilfe von bach, schubi oder lombardini, wer weeß det schon so jenau? uff jeden fall, wo war ick stehnjebliem? lasst euch jesacht sinn: mehr brauch ick jar nich, dit macht ma so froh, dit macht ma so high, da könnta alle jetroost na hause jeehn, nämlisch! einpacken könnta, jawoll. und dit is erst der anfang!
aber unter uns, wenna denn lange jenuch szuhause wart, könnta mich ooch jelejentlich ma wieder besuchen kommm und euer zeuch wieder auspacken, vielleicht n bissl erzähln, wiet so jeeht... och - wollt ick nur ma anjemercht haben, dit war jetze aba keene einladung, damit dit klar is!

Samstag, 9. Oktober 2010

s&s

mein schlüsselbund klingelt an diesem wochenende mit einem besonderen ton. es ist schon wieder wettbewerbszeit... aber du liegst auch diesmal nicht unter dem flügel und weinst. doch wenn ich den kronleuchter dimme und an dieser stelle vorübergehe, dann denke ich jedesmal an unsere zeit und streichele heimlich die lyra auf dem teppich!

Mittwoch, 4. August 2010

fragen und antworten

aus jerusalem wollte ich musik mitbringen, musik in der ein bestimmtes, mir namentlich unbekanntes instrument seine einzigartig berührenden melodien verströmte. doch da ich seinen namen nicht kannte und auch zu wenig seinen klang in einer fremden sprache beschreiben konnte, kehrte ich ohne die klänge dieses instrumentes zurück nachhause.

der klang könnte sowohl von einem tiefen streichinstrument als auch von einem tiefen blasinstrument herrühren, er bewegt sich genau dazwischen. ich verbinde ihn mit tiefer sehnsucht und einsamkeit, mit heißer wüste, verklärendem nebel oder unbeschreiblicher weite. hingehauchter ausdruck...

es war gerade ladenschluss, als der weißhaarige mann mit sehr ausdrucksstarken augen die tür öffnete und unschlüssig im eingang stand, er hätte eine frage, die vielleicht überflüssig sei, begann er seine rede. haben sie eine persische ney zu verkaufen?
ich wusste nicht, was er meinte und bat ihn, mir zu beschreiben, was er suchte. es sei eine rohrflöte, deren ton zu erzeugen sehr schwierig ist, beschrieb er das instrument.
sofort beschlich mich die ahnung, es müsse sich um dieses instrument handeln, dessen name ich nicht wusste als ich in jerusalem war. ich fragte ihn, ob sie sehr sehnsuchtsvolle tiefe klänge fabrizierte. ja, antwortete er, sie ist aus rohr geschnitzt und von innen ausgehöhlt und wenn sie gespielt wird, sehnt sie sich nach der anderen hälfte dieses rohres, man würde ihren klang auch als den atem gottes beschreiben. ich sah im instrumentenkatalog nach, doch dort gab es nur europäische instrumente zu bestellen: blockflöten, querflöten... keinen atem gottes. ich spielte ihm eine tiefe arabische melodie auf der geige vor und er fühlte sich an den klang seines gesuchten instruments erinnert.

zuhause angelangt, recherchierte ich anhand des namens nach dem klang des instrumentes und siehe da: die frage des mannes hatte mir die antwort auf die meine gegeben. ich hatte den namen der persischen ney gesucht, weil ich mich schon vor monaten in ihren klang verliebt hatte.

Freitag, 17. April 2009

das meer

das meer ist in den hinterhof zurückgekehrt. mit jedem tag rauschen die wellen stärker, wenn sich der wind im wachsenden blattwerk der pappeln fängt.

Samstag, 14. Februar 2009

mal wieder auf der bühne stehen dürfen

in einer stunde ist showtime.
dass die sängerin direkt aus einer anderen stadt und direkt von einer anderen bühne im club ankommen würde war klar, das ist ein altes phänomen. dass die geigerin sich, ihre geige und ihr keyboard trotz grippe pünktlich zum soundcheck schleppen würde, der dann doch erst 2 stunden später im zugigen keller beginnt, auch das. dass gestern nacht der gastgitarrist beschlossen hat, beim auftritt mitzuspielen, ohne seit einem jahr mitgeprobt zu haben, trägt zur spontaneität bei. dass der schlagzeuger geburtstag hat und glücklich ist, weil der lästige rücktransport seines schlagzeuges entfällt, da er das der vorband mitnutzen darf, sei ihm gegönnt. dass der trompeter sich zu alt fühlt und von einem eigenen jacques-brel-abend in paris träumt, statt dem getöse im suff und rauch im keller eines ex-besetzten hauses nachts um halb zwei, auch das musste irgendwann so kommen. aber dass die mutter des bassisten in einer 800km entfernten stadt auf der intensivstation um ihr leben ringt und sich ihr sohn nun zu hause wahrscheinlich seinen nächsten schuss setzt und telefonisch für trost und fragen nicht mehr zu erreichen ist, das stand nicht im drehbuch. dass auch seine mutter sterblich ist, darauf war er nicht vorbereitet. unsere band ohne unseren bassisten, wie soll das gehen? ohne seinen bass, der alles trägt und alles fängt, nur nicht heute. unsere gage werden wir ihm schenken für die zugfahrkahrte morgen, ich hoffe nur, er fährt auch wirklich.
gleich ziehen wir uns alle die lustigen kostüme an und dann ist showtime.

Freitag, 7. November 2008

das erste mal

heute nacht, mit meiner eigenen stimme, im stehen, mit zittern, langsam ruhiger werdend, das papier haltend, in der stille, manchmal atemlos, in gesichter gesehen, ohne die zeile zu verlieren, vor dem mikro:

gelesen und ... danach gelächelt, den anderen zugehört - schön.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

intuition

What gives what helps the intuition?
I know I’ll know
I won’t have to be shown
The way home
And it’s not about a boy
Although although

They can lead you
Break or defeat you

A destination known
Only by the one
Whose fate is overgrown
Piecemeal can break your home in half
A love is not complete with only heat

And they can tease you
Break or complete you

And it came a heat wave
A merciful save
You choose you chose
Poetry over prose
A map is more unreal than where you’ve been
Or how you feel
A map is more unreal than where you’ve been
Or how you feel
And it’s impossible to tell
How important someone was
And what you might have missed out on
And how he might have changed it all
And how you might have changed it all for him
And how he might have changed it all
And how you might have changed it all for him

Did I, did I
Did I, did I
Did I, did I
Did I, did I
Did I did I miss out on you?

leslie feist

Freitag, 19. September 2008

klangvoll

Wie lange es dauern wird, fragt mich der Mann und deutet auf das kleine Cello, das noch ohne Saiten und Steg in seiner Halterung wartet. Ich wage eine großzügige Schätzung und antworte ihm: „Zwanzig Minuten, vielleicht fünfzehn!“ Dann würde er mit seinem kleinen Sohn in einem Café die Zeit überbrücken und später wieder vorbeischauen, ob ich es ihm auch stimmen könne fragt er noch und verlässt mit dem Kind das Geschäft.

Den ganzen Tag über habe ich Kontodaten in den Computer gegeben und Notenbestellungen entgegen genommen. Zu Arbeiten an den Instrumenten werde ich kaum angehalten, obwohl ich das viel lieber täte. Ich bin etwas aufgeregt, denn es wäre das erste Mal, dass ich ein neues Cello besaiten, den Steg aufstellen und in die richtige Position bringen würde. Steg und Saiten wurden mitgeliefert und ich öffne vorsichtig die Papierhülle der C-Saite. Als ich mit der Arbeit beginnen möchte, fällt mir auf, dass an diesem kleinen Cello etwas Wichtiges fehlt: der Saitenhalter. Irgendwo müssen die Saiten befestigt werden, die ich dann über den Steg aus Buche ziehen kann, der noch lose auf dem Tisch liegt, um sie dann in die kleine Bohrung der ebenhölzernen Stimmwirbel zu fädeln. Ich lege das halbe Cello, das mich mit seinem wunderbaren rotbraunem und dem noch unversehrten matten Lack über dem fein gemaserten Fichtenholz der Resonanzdecke anstrahlt, auf die Klavierbank.
Es ist sehr eng in diesem neuen Geschäft, das erst eine Woche zuvor eröffnet worden war. Als frisch engagierte Aushilfe hatte ich von den gestressten Inhabern erstaunlicher Weise nur eine sehr kurze Einweisung erhalten. Beim Blick auf die Uhr und dem Gang in das kleine überfüllte Lager, trat mir der Schweiß auf die Stirn. Saitenhalter für Violinen hatte ich schon irgendwo gesehen, aber woran erkenne ich nun Saitenhalter für halbe Celli? Ich finde eine unbeschriftete Kiste, die mir Hoffnung gibt. In der Ecke steht ein 4/4 Cello, an dem ich zumindest erkennen kann, wie in etwa die Größenverhältnisse aussehen müssen. Etwas in der Hand haltend, das mir passend erscheint, verlasse ich das Lager. Nun wieder im Licht, finde ich auf der Innenseite eine kleine vielversprechende Gravur: für ½ und ¾. Jetzt habe ich alles beisammen.
Derart wackelig hatte ich mir diese Prozedur allerdings nicht vorgestellt. Auf dem Klavierhocker schwankt das Instrument auf Grund seiner Wölbung wie ein Ruderboot auf dem Trockenen. Der Saitenhalter, der auch erst zu einem solchen wird, in dem der Knopf am Cellostachel von einer Seite und die aufgezogenen Saiten von der anderen ihm Halt geben (wie absurd, die Saiten halten den Saitenhalter), erschreckt mich durch seine Schieflage nach dem Aufziehen der C-Saite. Am Rand von nur einer Saite gehalten, kann er natürlich nicht mittig stehen, ich suche nach der hohen a-Saite. Nach ihrem erfolgreichen Befestigen kann ich nun den Steg zwischen die Saiten und den Resonanzboden klemmen, möglichst richtig herum. Nun sieht das Ganze einem Saiteninstrument schon verblüffend ähnlich, ich habe noch drei Minuten bis der Mann mit seinem Sohn wieder kommen würde. Ich beziehe das Cello mit der fehlenden g- und d-Saite und stelle erfreut fest, wie geschmeidig sich die Wirbel in ihren perfekt angepassten konischen Bohrungen drehen lassen, ohne zu knacken und mit festem Halt. Den Steg richte ich nun von allen Seiten nach, so dass er gerade und unverzogen auf der Resonanzdecke mittig zwischen den f-Löchern ins Gleichgewicht kommt. Auf dem schwarzen Griffbrett, das auch aus Ebenholz gefertigt ist, finde ich in ausdrucksvoller Handschrift eine Bleistiftnotiz des Geigenbauers: „guter Klang“. Nun beginne ich das Instrument zu stimmen, den Steg dabei ständig nachjustierend, denn durch die steigende Zugkraft der Saiten biegt er sich immer wieder in Richtung Griffbrett.
Ein Klang von ersten Pizzicatotönen erfüllt den kleinen Raum und ich staune nicht schlecht, denn für die Größe eines halben Cellos ist es tatsächlich ein warmer voller Klang. Da geht die Tür auf und zwei erwartungsvolle Augenpaare sehen mich an. Glücklich reiche ich dem Jungen das Instrument, das neben ihm riesig wirkt und bitte ihn, es zu halten, während ich den kleinen Bogen mit bernsteinfarbenem Kolophonium bestreiche, dem Harz, das dem Rosshaar die richtige Griffigkeit auf den Saiten verleihen soll. Ich bitte den Jungen, mir sein zukünftiges Cello noch einmal zu überlassen und spiele einen Ton auf jeder Saite. Da ich bisher nur mit Violinen Umgang hatte, begnüge ich mich mit den leeren Saiten. Völlig gerührt von diesem schönen Klang, den die beiden wohl erwartet hatten, von dem ich allerdings überrascht bin, gebe ich es ihm zurück. Meine Hand fühlt ein letztes Mal die angenehm samtene Glätte des Cellobodens aus geflammtem Ahorn. Jedes Streicheln über dieses Holz erzeugt den Klang einer Windbrise in meinen Ohren. Fichte und Ahorn, weich und hart, Ebenholz und Rotbuche, weitgereist und einheimisch. Schöne spannungsvolle Gegensatzpaare, die wohlklingende Harmonien erzeugen können aber auch zerreißendes Schluchzen. Der Vater blickt zufrieden drein, der Junge sieht mich ein bisschen keck an. Ich wünsche dem Kleinen viel Freude mit seinem neuen Cello, das ihm geliehen wird bis er ein größeres brauchen würde und schaue den beiden beim Verlassen des Ladens ein wenig sehnsüchtig hinterher.

Die Tür öffnet sich erneut und der Mann von eben deutet auf etwas, das aus einer versteckten Tasche an der Rückseite der Cellohülle lugt. „Gehört das zu Ihnen?“ Ich bedanke mich. Es ist der Saitenhalter, den ich vorhin in meiner Aufregung übersehen hatte.

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