hab keine Angst,
hab Zeit!
Georg Kreisler
für Dinge, die man liebt
hat man nie genug Zeit.
Franz Schubert
mein schlüsselbund klingelt an diesem wochenende mit einem besonderen ton. es ist schon wieder wettbewerbszeit... aber du liegst auch diesmal nicht unter dem flügel und weinst. doch wenn ich den kronleuchter dimme und an dieser stelle vorübergehe, dann denke ich jedesmal an unsere zeit und streichele heimlich die lyra auf dem teppich!
gestern nacht: erst schubert gespielt, dann rumba getanzt
heute nachmittag: erst steinway gespielt, dann kreisler gelesen
heute nacht: nach drei jahren wieder gelächelt!
Firas Maraghy - im Hungerstreik in Berlin - macht auf den himmelschreienden und von vielen Menschen geduldeten oder ausgeblendeten Rassismus Israels aufmerksam.
http://www.jungewelt.de/2010/08-12/056.php
Prof. Dr. Rolf Verleger ist Vorsitzender der Gruppe »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« und hat hierzu diesen Artikel verfasst
Im Wandel, in der Vergänglichkeit liegt Schönheit und Sinn. Wenn z.B. ein Ton aus seiner Geschichtlichkeit, also aus der Mitte zwischen Vergangenheit und Zukunftserwartung heraus gerissen wird, verliert er jegliche Bedeutung und jeglichen Sinn.
Das ließe sich ganz strukturalistisch auf alles Lebendige übertragen.
aus jerusalem wollte ich musik mitbringen, musik in der ein bestimmtes, mir namentlich unbekanntes instrument seine einzigartig berührenden melodien verströmte. doch da ich seinen namen nicht kannte und auch zu wenig seinen klang in einer fremden sprache beschreiben konnte, kehrte ich ohne die klänge dieses instrumentes zurück nachhause.
der klang könnte sowohl von einem tiefen streichinstrument als auch von einem tiefen blasinstrument herrühren, er bewegt sich genau dazwischen. ich verbinde ihn mit tiefer sehnsucht und einsamkeit, mit heißer wüste, verklärendem nebel oder unbeschreiblicher weite. hingehauchter ausdruck...
es war gerade ladenschluss, als der weißhaarige mann mit sehr ausdrucksstarken augen die tür öffnete und unschlüssig im eingang stand, er hätte eine frage, die vielleicht überflüssig sei, begann er seine rede. haben sie eine persische ney zu verkaufen?
ich wusste nicht, was er meinte und bat ihn, mir zu beschreiben, was er suchte. es sei eine rohrflöte, deren ton zu erzeugen sehr schwierig ist, beschrieb er das instrument.
sofort beschlich mich die ahnung, es müsse sich um dieses instrument handeln, dessen name ich nicht wusste als ich in jerusalem war. ich fragte ihn, ob sie sehr sehnsuchtsvolle tiefe klänge fabrizierte. ja, antwortete er, sie ist aus rohr geschnitzt und von innen ausgehöhlt und wenn sie gespielt wird, sehnt sie sich nach der anderen hälfte dieses rohres, man würde ihren klang auch als den atem gottes beschreiben. ich sah im instrumentenkatalog nach, doch dort gab es nur europäische instrumente zu bestellen: blockflöten, querflöten... keinen atem gottes. ich spielte ihm eine tiefe arabische melodie auf der geige vor und er fühlte sich an den klang seines gesuchten instruments erinnert.
zuhause angelangt, recherchierte ich anhand des namens nach dem klang des instrumentes und siehe da: die frage des mannes hatte mir die antwort auf die meine gegeben. ich hatte den namen der persischen ney gesucht, weil ich mich schon vor monaten in ihren klang verliebt hatte.
Spaß bis zum Tod:
Dass Liebe tödlich sein kann, ist ein kulturell bekanntes Phänomen. Wir denken jedoch in erster Linie an Opfer von Eifersuchtsdramen oder durch unerwiderte oder verlorene Liebe in den Suizid Getriebene. Vielleicht fallen uns bei angestrengtem Nachdenken noch jene Liebenden ein, die zueinander halten und weil sie die geliebten Freunde, Kinder, Eltern oder Geschwister nicht verraten wollen, zu Tode gefoltert werden. Oder die gesellschaftlich unerwünschte Liebe, die althergebrachte Herrschaftsverhältnisse oder die Institution der Ehe in Frage stellt, eine Liebe, die sich zwischen Menschen mit verschiedener Herkunft oder Klasse oder desselben Geschlechts ereignet.
Dass sogar der kollektive Rausch der Eigenliebe gefährlich werden kann, das hätten wir wissen können, die Deutschen haben schon lange ein Problem mit Massenbewegungen, aber wir sind Helden, wenn es um Verdrängung von Zusammenhängen geht… Denn, ich begebe mich in einen Zusammenhang unterschiedlichster und unkalkulierbarster Kräfte, wenn ich mich dem Gedränge einer Masse von Menschen hingebe, die alle dasselbe Ziel verfolgen, nämlich: jede_r für sich selbst den größtmöglichen Spaß und Rausch zu erleben.
Wer achtet da schon auf seine Nächsten? Wer kommt auf die Idee, das eigene Leben könne im nächsten Moment von dem alkoholisierten Kerl abhängen, der in 5 Metern Entfernung versucht, über einen Zaun zu klettern, oder von der Frau, die vor mir ohnmächtig wird? Wer hört Warnrufe in einem Tunnel, in den von allen Seiten ohrenbetäubender und damit tödlicher Lärm schallt? Wenn es zum Spaß gehört mit erhobenen Händen zu grölen und sich zu gebärden, wer könnte von diesen bereits maximalen Gebärden alarmiert werden?
Nein, es wurde nicht einmal geschossen auf dieser Loveparade, wie beispielsweise bei politischen Zusammenkünften und Demonstrationen andernorts, es gab trotzdem vergleichsweise viele Tote und Verletzte, zur Stunde ist von 19 Toten und 342 Verletzten die Rede. Ermittlungen zur Ursache, der zur nationalen Katastrophe erklärten Vorgänge, werden eingeleitet, eine lückenlose Aufklärung des Unglückshergangs wird versprochen, die Veranstalter beharren auf ihrem stichhaltigen Sicherheitskonzept. Ja, Tunnel stehen in der Geschichte der Überwachung weltweit ganz oben auf der Effektivitätsliste. Schön, dass dieses Konzept auch bei uns einmal zur Anwendung kommt, vielleicht können wir dann ein wenig mit Menschen fühlen, die auf Versorgungs- oder Flüchtlingstunnel angewiesen sind... Klar, schmale und wenige Zugänge lassen sich besser kontrollieren als weitläufige und viele - etwa auf mitgebrachte Getränke oder Waffen. Denn die Kasse klingelt natürlich nur, wenn sich das durstige Feiervolk an den veranstaltungsinternen Ausschänken volllaufen lässt.
Die Menschen seien auf viel zu kleinem Raum von allen Seiten eingepfercht gewesen, hieß es. Zu welchem Zweck haben sie sich darin einpferchen „lassen“? Um die Eigenliebe zu feiern?
Wir haben den Zenit der Spaßkultur überschritten – und befinden uns im Absturz, leider waren keine Schwimmwesten und Sicherheitstrainings vorgesehen, bitte suchen Sie nicht bei sich selbst nach einer Verantwortung für dieses SCHICKSAL, sondern greifen sie zu den überall erhältlichen Betäubungsmitteln und feiern Sie einfach weiter!
überraschend alte verhaltensmuster geändert und tatsachen geschaffen +++ alte "freunde" damit schockiert +++ mich selbständig gemacht und die zeche geprellt +++ das war nach 10 Jahren mal fällig und fühlt sich gut an
das maul aufzumachen ist so viel besser als mit ständiger Zurückhaltung sich im Übergangenwerden zu üben, es ist auch viel weniger anstrengend als ich dachte